Arbeitsmarkt: ein Kommen und Gehen

Fast eine Million Menschen waren 2014 zumindest einmal arbeitslos – die meisten kürzer als sechs Monate

Die Wirtschaft wächst nur langsam, trotzdem sind immer mehr Menschen in Beschäftigung, und gleichzeitig steigt die Zahl der Arbeitslosen. Hinter den monatlich veröffentlichten Zahlen steht ein extrem dynamisches Geschehen mit laufenden Ein- und Ausstiegen am Arbeitsmarkt.

Im vergangenen Dezember waren österreichweit 475.435 Menschen in Arbeitslosigkeit oder Schulungen des Arbeitsmarktservice (AMS). Das entspricht einem Plus von 19.604 Menschen (plus 4,3 Prozent) im Vergleich zum Dezember 2014.[1] Gleichzeitig waren rund 40.000 Menschen mehr in Beschäftigung als ein Jahr davor.[2]

Doch der Arbeitsmarkt ist ständig in Bewegung. Das Kommen und Gehen lässt sich detailliert darstellen, denn das AMS wertet die Zahlen auch personenbezogen aus.[3]
So zeigt sich, dass tatsächlich weit mehr Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen sind, als die monatlich gemeldeten Zahlen vermuten lassen: Im Jahr 2014 waren 922.387 Menschen mindestens einen Tag lang als arbeitslos vorgemerkt. Zahlen für 2015 werden laut AMS erst im März vorliegen, vorläufig sind es etwa 950.000 von Arbeitslosigkeit betroffene Menschen.

Im Jahr 2014 stieg die Zahl der von Arbeitslosigkeit Betroffenen im Vergleich zum Vorjahr in allen Bundesländern. Die folgende Grafik zeigt die Zunahme der Zahl der Betroffenen im Vergleich zum Vorjahr in Prozent, nach Bundesländern und Geschlecht getrennt:

ZunahmeBetroffeneProzent

Arbeitslose: recht schnell wieder im Job
Die Auswertungen des AMS zeigen auch den Grund, warum die Zahl der Betroffenen höher ist als jene der im Jahresdurchschnitt genannten Arbeitslosen: Viele Betroffene finden schon nach relativ kurzer Zeit wieder eine Arbeit.

„Die Dynamik am Arbeitsmarkt wird dadurch charakterisiert, dass im Jahr 2014 rund 1,7 Millionen Dienstverhältnisse neu begründet und ebenso viele auch wieder aufgelöst wurden. Nur ein Drittel davon wechselt direkt in die Arbeitslosigkeit“, beschreibt Ernst Haider vom AMS Österreich die Situation. Gründe dafür seien, dass es in Österreich einen sehr transparenten Arbeitsmarkt gebe, aber auch einen „nicht sehr rigiden Kündigungsschutz“ und einen sehr hohen Anteil an Saisonbeschäftigung, so das AMS.

Die durchschnittliche Dauer einer „Episode“ (so nennt das AMS den Zeitraum, in dem eine Person als arbeitslos vorgemerkt ist) betrug 2014 im österreichischen Durchschnitt 129 Tage, also rund vier Monate. In Wien dauerte es im Durchschnitt länger bis jemand wieder Arbeit fand, nämlich 149 Tage. Am schnellsten konnte das in Salzburg gelingen, nämlich nach 99 Tagen. Sieht man sich diese Daten in Bezug auf das Geschlecht an, sieht man, dass Frauen in den meisten Bundesländern etwas länger brauchen, bis sie wieder in Beschäftigung kommen:
DauerinTagenneu

Nur wenige Menschen länger als ein Jahr ohne Arbeit
Wer 2014 arbeitslos wurde, hatte also recht gute Chancen, rasch wieder in Beschäftigung zu kommen. So waren nur knapp 24 Prozent der von Arbeitslosigkeit Betroffenen länger als 180 Tage (also ein halbes Jahr) am Stück arbeitslos. Und nur 4,4 Prozent waren länger als 365 Tage in Arbeitslosigkeit.

Hier zeigen sich jedoch bei den Bundesländern große Unterschiede: in Niederösterreich waren rund 10 Prozent länger als 365 Tage arbeitslos, in Wien nur 1,2 Prozent:

WievielProzwielangeneu

Mehrfach arbeitslos innerhalb eines Jahres
418.899 Menschen in Österreich waren im Jahr 2014 nicht nur einmal, sondern mehrfach arbeitslos. Das sind 45,4 Prozent aller, die mindestens einen Tag arbeitslos vorgemerkt waren. Für die Mehrheit der Betroffenen (54,6 Prozent) blieb es also im Jahr 2014 bei einer einmaligen Arbeitslosigkeit.Hier der Bundesländervergleich, nach Männern und Frauen getrennt

WievielProzentmehralseinmal

Problemfall „Alte“?
Betrachtet man den Arbeitsmarkt für Menschen im Alter 50+, so zeigt sich, dass diese entgegen mancher Vorurteile sehr wohl wieder in Beschäftigung kamen, nachdem sie arbeitslos wurden. Zwar dauert es deutlich länger als bei den Jungen, aber es war möglich: Im Schnitt brauchte ein Mann zwischen 50 und 54 Jahren 138 Tage, bis er wieder Arbeit fand.

DurschnittnachAlter

Langzeitarbeitslose: mehr Männer als Frauen
Betrachtet man die Langzeitarbeitslosen, die länger als 365 Tage ohne Arbeit waren, so waren das im Jahr 2014 rund 40.000 Personen (rund 4,4 Prozent aller von Arbeitslosigkeit Betroffener). Zwar gibt es im Alter einen Anstieg, aber insgesamt lässt sich das manchmal herrschende Vorurteil, dass vor allem „Alte“ langzeitarbeitslos seien, nicht bestätigen achat cialis en pharmacie.

LZAnachAlterundGeschlecht

Fazit: Der Arbeitsmarkt in Österreich war 2014 dynamischer, als die monatlich veröffentlichen Arbeitslosenzahlen vielleicht vermuten lassen. Mehr Menschen wurden arbeitslos, viele fanden jedoch rasch wieder einen Arbeitsplatz. „Alte“ sind nicht automatisch langzeitarbeitslos.

 

Links:

[1] http://www.ams.at/_docs/001_uebersicht_aktuell.pdf

[2] http://www.sozialministerium.at/cms/site/attachments/7/0/6/CH0735/CMS1451896399792/arbeitsmarkt_vorab_oesterreich_v2_201512.pdf

[3] http://www.ams.at/ueber-ams/medien/arbeitsmarktdaten/berichte-auswertungen – Siehe Link zu Excel-Sheet am Ende der Seite

 

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