Fairness bei der Fußball WM 2014

Im Rahmen der Fussball WM 2014 in Brasilien wurde von der FIFA auch ein Fairness-Pokal verliehen. Diesen bekam Kolumbien zugesprochen.

Moment – ist da nicht dieses unsportliche Foul eines Kolumbianers an Neymar in Erinnerung, dass den brasilianischen Jung-Star direkt ins Krankenhaus beförderte und eine schwere Wirbelsäulenverletzung zur Folge hatte?

Grund genug, die Mannschaften der WM näher zu betrachten, im Besonderen deren sportliches Verhalten hinsichtlich Fouls und erhaltenen Karten.

Auf der FIFA-Seite finden sich detaillierte Statistiken diesbezüglich und weisen Kolumbien tatsächlich als die Mannschaft aus, welche die wenigsten gelben, gelb-roten und roten Karten erhalten hat.

4 - Kartenwertung absolut

Jedoch sind diese Zahlen nur absolut zu betrachten und berücksichtigen in keiner Weise die absolvierten Spielminuten oder gar die begangenen Fouls.

Um ein besseres und aussagekräftigere Bild zu bekommen, werden die Mannschaften, welche zumindest das Viertelfinale erreichten, nachfolgend genauer betrachtet.

Und zwar nicht nur hinsichtlich der erhaltenen Karten, sondern auch im relativen Vergleich der begangenen Fouls nach absolvierten Spielminuten. Hier offenbart sich schon ein etwas anderes Bild.

Denn nach begangenen Fouls pro Match reiht sich Kolumbien deutlich weiter hinten ein.

1- Statistik FIFA

Fairplay gesamt

Auch bei lediglicher Betrachtung der erhaltenen gelben Karten, relativiert auf 90 Minuten, ergibt sich wieder ein eigenes Bild, welches Weltmeister Deutschland mit weniger als einer gelben Karte als fairste Mannschaft ausweist. Zudem sei bedacht, dass mit Fortgang des Tourniers die Mannschaften dem ersehnten Titel immer näher kommen und Deutschland sieben Spiele absolvierte.

3 - Gelbe Karten pro 90 min

Auch die absolvierten Spielminuten sind unter allen Mannschaften, die mindestens das Viertelfinale erreichten, auf Grund der absolvierten Verlängerungen im Turnier sehr unterschiedlich.

5 -Kartenwertung plus Spielminuten

Wer sich provozieren lässt..

Wenn nach einem neuen, aussagekräftigen Faktor gesucht wird, so kann man begangene Fouls in der Relation zu erhaltenen Fouls betrachten. Wird eine Mannschaft durch vermehrtes Foulspiel provoziert, so steigt wohl die Chance, dass diese ihrerseits mit vermehrten Unsportlichkeiten darauf reagiert. Auch gewisse Spieler, meist diejenigen, welche sehr viele Ballkontakte haben, werden vermehrt frühzeitig unter Druck gesetzt, gefoult und reagieren früher oder später oftmals selbst mit unfairen Attacken darauf.

Aber ist es wirklich so, dass Mannschaften, die ruppigem Spiel der gegner ausgeliefert sind, zwangsläufig mit vermehrtem Foulspiel darauf reagieren?

Setzt man nun erhaltene und begangene Fouls in Relation, so ist ein Wert deutlich unter 1 wohl als Indikator für eine Mannschaft zu werten, die sich nicht leicht provozieren lässt.

Nachfolgende Statistik soll diesen Faktor näher beleuchten und weist den Finalisten Argentinien diesbezüglich mit dem besten Wert (0,69) aus:

6 - Provokation

Eine kombinierte Wertung aus relativierten Daten von Karten und Fouls wie auch Berücksichtung der absolut erhaltenen Karten soll ein deutlicheres Bild offenbaren.

combined stack

Berücksichtigt man alle verfügbaren Daten und addiert diese, so erhält man eine Wertung, die zwar Frankreich knapp als Sieger ausweist. Jedoch nur ganz knapp vor Weltmeister Deutschland, die ihrerseits auf deutlich mehr absolvierte Spielminuten verweisen können.

7 -Overall

Weit abgeschlagen findet man hier den Gastgeber Brasilien und auch der vermeintliche Fairness-Sieger Kolumbien erwies sich nicht als die fairste Mannschaft dieser Weltmeisterschaft.

Und die Schiedsrichter, welche manchmal leider auch Fehlentscheidungen treffen, werden hier natürlich ebensowenig berücksichtigt wie versteckte Fouls, die nicht geahndet wurden.

Hier verhält es sich ähnlich wie mit der Frage nach Abseits.

Abseits ist es dann, wenn der Schiedsrichter pfeift, basta.

Da hilft kein Jammern und keine Beschwerde, ebenso wenig wie beim Zücken von Karten oder beim Ahnden von Fouls.

Alles eben relativ.

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