Studie: Deutsche zahlen häufiger kontaktlos mit Karte

Frankfurt am Main (APA/dpa) – Immer mehr Deutsche bezahlen laut einer Studie ihre Einkäufe kontaktlos per Karte an der Ladenkasse. Hätten im Juli 2017 erst 15 Prozent der Befragten angegeben, sie hätten bereits kontaktlos Rechnungen beglichen, waren es Anfang dieses Jahres fast die Hälfte (47 Prozent). Das geht aus einer Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman hervor.

Für die Studie von Oliver Wyman wurden im Jänner und Februar 2019 mehr als 1.500 Verbraucher in Deutschland zu ihrem Zahlungsverhalten befragt.

Dabei werde vor allem die Girocard beliebter, erklärte Rene Fischer, Partner bei Oliver Wyman. Kreditkarten spielten eine untergeordnete Rolle. Beim kontaktlosen Zahlen werden Karten an ein Lesegerät gehalten und kleine Beträge ohne PIN direkt abgebucht. Ein Einstecken der Karten in ein Gerät ist nicht nötig.

Auch Zahlen per Smartphone breite sich aus. Jeder vierte Befragte (26 Prozent) habe schon per Handy mobil bezahlt. Darunter fallen Dienste wie Paypal und Payback Pay, aber auch Google Pay und Apple Pay. Wie viele Leute regelmäßig mobil oder kontaktlos zahlen, wurde nicht erfasst.

Mit dem Vormarsch von kontaktlosem und mobilem Zahlen könnten Scheine und Münzen schneller an Bedeutung verlieren, glaubt Fischer. Schrumpfe der Bargeld-Anteil derzeit um 1 Prozent pro Jahr, könne sich das Tempo mittelfristig auf 2 Prozent beschleunigen. „Der Umsatzanteil von Bargeld an allen Transaktionen könnte binnen fünf Jahren unter 40 Prozent fallen.“ 2017 lag der Wert laut Angaben der Deutschen Bundesbank bei 48 Prozent.

Vergangenes Jahr hatten Verbraucher im stationären Einzelhandel erstmals mehr Geld per Giro- und Kreditkarte ausgegeben als in bar, wie das Handelsforschungsinstitut EHI jüngst mitteilte. Das heiße aber nicht, dass Kunden bald nur noch per Karte oder Smartphone zahlen, betonten die Experten zugleich. Drei Viertel aller Einkäufe im Handel, exakt 76,1 Prozent, würden weiter bar beglichen.

Link zum Artikel

Meine Anregungen:

Habe zu den vorliegenden Daten nicht viel mehr gefunden, als im Artikel selbstbereits vorliegt (Paper des Oliver Wyman Instituts, aber nicht so umfangreich wie erwartet). Ich fand es wichtig aufgrund der fehlenden Übersichtlichkeit vorallem darauf aufzubauen zu den angeführten Daten Vergleichswerte vorzulegen. So sollen Leser*innen ein besseres Verständnis aufbauen können. Die erste Grafik ist sehr simpel gehalten. Sie gibt einen ausreichenden Überblick über den AUfhänger der Geschichte, nämlich das kontaktlose Zahlen. Auf die einzelnen Bezahlarten soll noch im folgenden näher eingegangen werden.

Habe mich dann für diese Art des Diagramms entschieden, die diverse gängige Zahlungsmöglichkeiten gut veranschaulichen soll. Ich finde diese Veranschaulichung am übersichtlichsten, da ja die Prozentanteile des Gesamtumsatzes im Fokus stehen sollen. Was mir hier aber definitiv fehlt, sind die Daten zur Bezahlung via Smartphone oder Online Diensten wie PayPal. Diese würden mir hier einen noch - vor allem für die heutige Zeit relevanteren - Überblick verschaffen. Ich vermute, dass hier die gesammelten Daten aber beispielsweise nicht über PayPal sammelbar sind, da es sich hier um Transaktionen im Einzelhandel handelt.

Mit dieser Visualisierung habe ich versucht darzustellen wie häufig die Nutzung von kontaktloser Mobil- oder Kartenzahlung ist. Die dargestellten Prozentanteile zeigen an wie viele der Befragten zumindest schon vereinzelt die diversen Arten kontaktlos zu zahlen verwendet haben.

Es ist gedacht, dass die Visualisierungen als Leitfaden für den Artikel dienen. So könnten sich Leser*innen besser ein Bild von den Anteilen verschaffen.

Generell ist es schwierig sich ein Bild von dem Artikel zu machen. Schrumpfe der Bargeld-Anteil derzeit um 1 Prozent pro Jahr, könne sich das Tempo mittelfristig auf 2 Prozent beschleunigen. „Der Umsatzanteil von Bargeld an allen Transaktionen könnte binnen fünf Jahren unter 40 Prozent fallen.“ - aus diesem Absatz konnte ich auch jetzt noch nicht schlau werden. Hier wäre es besser gewesen, wenn er besser oder in leichterer Sprache erklärt gewesen wäre.

Wie viele Leute regelmäßig mobil oder kontaktlos zahlen, wurde nicht erfasst. - Diesen Absatz empfinde ich schlichtweg als überflüssig.

Es wäre noch interessant gewesen zu erfahren, wo der europäische Durchschnitt im kontaktlosen Zahlen liegt. Zwar hätte ich zu diesem Thema folgende Pressemitteilung gefunden Link . Hier glaube ich, dass die untersuchten Länder einfach zufällig ausgewählt wurden und schlichtweg ein europaweiter Vergleich fehlt. Andere vergleichbare Datensätze konnte ich in meiner Recherche leider nicht auftreiben.

Dass die Releveanz von Girokarten und Handyzahlung hervorgehoben wird, finde ich hingegen richtig gewählt hinsichtlich der Relevanz.

Oberösterreicher sind Testaments-Kaiser

In keinem anderen Bundesland haben so viele ein Testament aufgesetzt wie in Oberösterreich. Auch bei den Spenden, die im letzten Willen festgehalten sind, ist Oberösterreich klar Spitzenreiter vor den übrigen Landsleuten.

Beim Erstellen von Testamenten sowie bei Testamentsspenden liegt Oberösterreich klar vor Salzburg, Niederösterreich und der Steiermark. Das geht aus einer market-Umfrage im Auftrag der Initiative „Vergissmeinnicht“ hervor. Demnach haben im Schnitt nur 30 Prozent der Österreicher ein Testament, in Oberösterreich hingegen sind es 40 Prozent. 10.000 Personen in OÖ haben außerdem angegeben, gemeinnützige Organisationen im Testament bedacht zu haben, das ist ebenfalls österreichischer Rekord.

Großer Informationsbedarf

Laut der Studie ist der Informationsbedarf zum Thema Erben in Österreich groß: 70 Prozent geben an, kaum über die gesetzliche Erbfolge informiert zu sein. In Oberösterreich lassen sich daher 60 Prozent der Befragten von einem Notar beraten, im Bundesvergleich ebenfalls ein Spitzenwert. Die Umfrage wurde im Auftrag der Initiative „Vergissmeinnicht“ durchgeführt, die sich auf gemeinnütziges Erben spezialisiert hat und knapp 100 Organisationen vereint. In Österreich würden jährlich mehrere Millionen Euro an den Staat fallen, weil es keine gesetzlichen Erben und Erbinnen sowie kein Testament gebe.

Studie: Hohe Kosten für Schulausrüstung

Knapp 1.300 Euro geben Eltern im Durchschnitt pro Kind und Schuljahr für den Schulbesuch aus. Besonders hoch sind die Ausgaben für digitale Endgeräte, die für das Distance Learning nötig waren. Das zeigt eine aktuelle Studie der Arbeiterkammer Steiermark (AK).

Insgesamt wurden für die Studie österreichweit knapp 3.000 Eltern befragt. Je nach Schulstufe fielen die Kosten unterschiedlich aus: Während für ein Volksschulkind im Schnitt 1.317 Euro ausgegeben wurden, beliefen sich die Kosten von der fünften bis zur achten Schulstufe auf 1.186 Euro, in der Oberstufe auf 1.423 Euro.

Besonders hoch waren laut Studie die Ausgaben, um den Kindern das CoV-bedingte Distance Learning zu ermöglichen: Für Tablets und Laptops fielen im Schnitt pro Kind zusätzlich 458 Euro an.

Psychische Auswirkungen auf Kinder und Eltern

14 Prozent der befragten Familien gaben zudem an, dass sich die psychische Gesundheit der Kinder zwischen Oktober 2020 und Februar 2021 verschlechtert habe. Knapp über die Hälfte dieser Eltern (54 Prozent) berichteten von Antriebslosigkeit ihrer Kinder oder von Niedergeschlagenheit. Ein Drittel gab an, dass ihre Kinder an Schlaflosigkeit und Angstzuständen leiden.

Gleichzeitig beklagten der AK-Studie zufolge zwei Drittel der Eltern in der Steiermark, dass sie selbst durch Lockdowns und Distance Learning „sehr“ oder „ziemlich“ gestresst waren.

Finanzielle Entlastung und mehr Personal gefordert

Der Präsident der Arbeiterkammer Steiermark, Josef Pesserl, fordert angesichts der Studienergebnisse mehr Personal an den Schulen und eine rasche finanzielle Entlastung der Eltern durch einen Bonus zur Familienbeihilfe. In den nächsten Monaten gelte es, großflächige Schulschließungen zu vermeiden: „Kein Kind dürfe in seiner Ausbildung und Entwicklung zurückgelassen werden“, so Pesserl.

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Anmerkungen

Ich habe diese Grafik erstellt, um den LesernInnen zu ermöglichen auf einen Blick zu sehen was die durchschnittlichen Kosten pro Schulkind in der jeweiligen Schulstufe sind. Zusätzlich habe ich mir die Stichprobengröße herausgesucht, da sie in dem Artikel nicht angegeben war. Der Absatz im Artikel ,,Insgesamt wurden für die Studie.." lässt darauf schließen, dass diese Durchschnittskosten für Schulkinder in ganz Österreich gemeint sind, allerdings treffen die Zahlen nur auf die kleine Stichprobe aus der Steiermark zu.

 

Ich habe mir den Satz: ,,Gleichzeitig beklagten der AK-Studie zufolge zwei Drittel der Eltern in der Steiermark, dass sie selbst durch Lockdowns und Distance Learning „sehr“ oder „ziemlich“ gestresst waren." genauer angesehen und befunden, dass er nur teilweise richtig ist. Der Autor/die Autorin dieses Artikels hat sich nur eine Zahl aus der Grafik herausgenommen und beschrieben. Der genaue Zeitpunkt wird nicht genannt. Er verallgemeinert die Aussage, obwohl nur zu einem gewissen Zeitpunkt 67% der Eltern sehr oder ziemlich gestresst waren.

Diese Grafik habe ich aus dem Grund erstellt, weil ich diese Durchschnittskosten etwas genauer aufgeschlüsselt dem Leser/der Leserin erläutern wollte. Beim ersten lesen des Artikels hat sich mir die Frage gestellt woraus sich diese Zahlen bilden.

,,Besonders hoch waren laut Studie die Ausgaben, um den Kindern das CoV-bedingte Distance Learning zu ermöglichen: Für Tablets und Laptops fielen im Schnitt pro Kind zusätzlich 458 Euro an." Auch dieser Satz ist zwar richtig, allerdings nur im Zusammenhang mit ganz Österreich. Aus dem Artikel kann nicht gut herausgelesen werden, welche Zahlen nur auf die Steiermark zu verzeichnen sind und welche österreichweit. Deshalb habe ich diese Grafik erstellt, mit dem Zusatz, wie sehr die Kosten angestiegen sind von der letzten Schulkostenstudie 2015/16 und der aktuellen.

Die größten Menschen der Welt werden kleiner

Seit langem gelten Niederländer als die größten Menschen der Welt. Im Durchschnitt wurden sie immer größer – bis jetzt. Die Trendwende könnte mehrere Gründe haben.

Sie sind zwar noch immer die größten Menschen der Welt, doch ihr seit Jahrzehnten andauerndes Wachstum ist gestoppt: Die Niederländer schrumpfen laut einer am Freitag veröffentlichten Studie der Statistikbehörde. Im Schnitt sind demnach die heute 19 Jahre alten Männer 182,9 Zentimeter groß und damit einen Zentimeter kleiner als die 1980 geborenen Männer. Die Frauen sind mit 169,3 Zentimetern sogar 1,4 Zentimeter kleiner als die ältere Generation.

Aber: „Die Niederlande sind immer noch die größte Nation der Welt“, gibt die Statistikbehörde Entwarnung. In den Niederlanden leben demnach die größten Männer, gefolgt von Montenegro, Estland und Bosnien. Auch die niederländischen Frauen liegen laut einer Erhebung des Gesundheitsnetzwerks Non-Communicable Disease Risk Factor Collaboration aus dem Jahr 2020 an der Spitze vor Montenegro, Dänemark und Island.


Die Studienautoren vermuten hinter dem „Schrumpfen“ die Einwanderung von im Schnitt kleineren Menschen mit „nicht-westlichem Hintergrund“ und eine ungesunde Ernährungsweise.

Die Niederländer waren nicht immer so groß. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren sie im europäischen Vergleich sogar recht klein, erst in den 1840er Jahren schossen sie in die Höhe. Wie ihnen das gelang, ist unklar. Der beliebte Mythos, wonach das Wachstum der Niederländer auf ihren hohen Konsum von Milchprodukten zurückzuführen ist, ist laut Wissenschaftlern nicht haltbar.

Quelle Artikel: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/niederlaender-groessten-menschen-der-welt-werden-kleiner-17543015.html

Kritik: Die Quellenangaben in dem Artikel der Frankfurter Allgemeine sind meiner Meinung nach unzureichend, da im ersten Absatz nur von einer "Statistikbehörde" geschrieben wird, dadurch aber nicht klar ist, um welche Statistikbehörde es sich handelt. Nur durch einen ähnlichen Artikel vom Spiegel (https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/koerpergroesse-die-niederlaender-schrumpfen-in-20-jahren-um-einen-zentimeter-a-afdbfe99-c12b-4eab-8c5c-915310d527df), in dem die Statistikbehörde verlinkt wurde, konnte ich die zugehörigen Daten finden. Zu den Daten im letzten Absatz des Artikels wird gar keine Quelle genannt. Als Quellenangabe des gesamten Artikels wird eine Nachrichtenagentur (AFP) angegeben, bei der ich jedoch keinen Zugriff auf die zugehörige Pressemeldung habe.

 

 

 

Häuser rund um Wien: Wer länger pendelt, spart mehr

Häuser in Wien kosten aktuell im Mittel 600.000 Euro, großes Sparpotenzial besteht im Speckgürtel. Wer 30 Minuten pendelt, zahlt für ein Haus im Mittel 495.000 Euro – in der 40-Minuten-Zone sind es nur noch 399.000 Euro.

Wer sich in Wien den Traum vom Eigenheim erfüllen will, muss tief in die Tasche greifen. Aktuell kostet ein Haus über alle Stadtbezirke hinweg im Median 600.000 Euro. Allein innerhalb eines Jahres hat sich der Kaufpreis um 9 Prozent erhöht. Das zeigt eine Analyse von immowelt.at, wofür die Hauspreise in Wien und dem Umland untersucht wurden. Wer sich allerdings für ein Haus außerhalb der Stadt entscheidet, kann viel Geld sparen. Im Umkreis von 40 Minuten einfacher Pendelstrecke sind die Kaufpreise im Mittel 34 Prozent günstiger als in der Stadt selbst. Aktuell werden dort Häuser im Schnitt für 399.000 Euro angeboten. Im 30 Minuten vom Zentrum entfernten Umland ist die Ersparnis deutlich geringer. In dieser Zone kostet ein Haus im Median 495.000 Euro und somit 18 Prozent weniger.

Größte Ersparnis in Ebreichsdorf

Beim Blick auf die einzelnen Gemeinden können Hauskäufer sogar noch etwas mehr sparen. In Ebreichsdorf werden Häuser im Median für 354.000 Euro angeboten, was eine Ersparnis von 41 Prozent ergibt. In der 40 Minuten südlich von Wien gelegenen Gemeinde finden Käufer für das Geld sogar neu gebaute Doppelhaushälften. Wer hingegen ein neues freistehendes Einfamilienhaus kaufen möchte, muss in der Regel mehr investieren. Zum Vergleich: In Wien werden Hauskäufer für den Medianpreis von 600.000 Euro hauptsächlich in den Randbezirken fündig und müssen oftmals noch Geld in Renovierungen investieren. In den zentrumsnahen Bezirken ist Baugrund kaum vorhanden und Häuser deutlich teurer. Aufgrund der hohen Grundstückspreise ist in Wien zudem der Anteil an Häusern, die im Baurecht errichtet werden, relativ hoch.

Neben Ebreichsdorf ist auch Strasshof an der Nordbahn noch vergleichsweise preiswert – Hauskäufer können dort 37 Prozent sparen. Der Medianwert für ein Haus liegt bei 380.000 Euro. Dafür bekommt man bereits ein Neubau-Reihenhaus. Wer exklusiver wohnen möchte, findet nordöstlich von Wien allerdings auch moderne Häuser mit Pool – allerdings zu einem deutlich höheren Preis. Auch in Gerasdorf (35 Prozent), Korneuburg (29 Prozent) und Groß-Enzersdorf (23 Prozent) lässt sich viel Geld sparen, obwohl die Gemeinden mit einer halben Stunde Fahrzeit sogar noch näher an Wien liegen.

Teurer als Wien: Klosterneuburg mit teuersten Preisen

Doch nicht in jeder Umlandgemeinde ist der Hauskauf günstiger. Im niederösterreichischen Klosterneuburg kostet ein Haus im Median 710.000 Euro – ein Aufschlag von 18 Prozent zu Wien. Das liegt hauptsächlich daran, dass viele Gutverdiener in der Gemeinde leben und zahlreiche Luxus-Objekte angeboten werden. Preise jenseits der Millionen-Marke sind keine Seltenheit. Neben Klosterneuburg müssen Käufer auch in Mödling (16 Prozent) und Brunn am Gebirge (17 Prozent) mit Medianpreisen von knapp 700.00 Euro rechnen.

Artikel: https://www.vienna.at/haeuser-rund-um-wien-wer-laenger-pendelt-spart-mehr/7132304

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Anmerkungen

Der Artikel von vienna.at bietet wenig Mehrwert im Vergleich zu der Quelle auf immowelt.at. Die Tabellen wurden aus dem Datensatz kopiert und nicht als Grafiken visualisiert. Sobald man Grafiken hinzufügt können diese den Text unterstützen und die Daten anschaulicher darstellen. Die dritte Grafik vergleicht zum Schluss noch einmal alle drei Zonen. Darauf wurde im Text zwar nicht explizit verwiesen aber sie bietet einen runden Abschluss.

Ein weiterer interessanter Teil, nämlich die Jährliche Preisentwicklung, wurde komplett ausgelassen. Diese kann ebenfalls in einem Balkendiagramm veranschaulicht werden.

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Amazon ist die wertvollste Marke

Die Top-100 der wertvollsten Marken werden einer Studie zufolge weiter von US-Tech-Konzernen wie Amazon dominiert, doch die chinesische Konkurrenz holt auf. Mit einem Markenwert von geschätzt 684 Milliarden Dollar führt Amazon, gefolgt von Apple (612 Milliarden), Google (458) und Microsoft (410), so eine Untersuchung des britischen Marktforschungsunternehmens Kantar.

Wertvollste chinesische Marke sei die Social-Media-Plattform Tencent auf Platz fünf, knapp vor Facebook auf dem sechsten Platz. Während US-Marken 2020 am schnellsten wuchsen, legten Unternehmen aus China kontinuierlich zu. Europa taucht mit dem französischen Luxus-Konzern Louis Vuitton auf Platz 21 auf, der Walldorfer Software-Konzern SAP auf Platz 26. Tesla ist auf Rang 47 die wertvollste Automarke.

 

Source: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/studie-amazon-ist-die-wertvollste-marke-1.5328425

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Anmerkungen + weitere Grafiken

Der Artikel der Süddeutschen Zeitung ist relativ kurz, dafür ist an und für sich das Wichtigste darin verpackt. Trotzdem braucht die Leserschaft anschauliche Grafiken um die Zahlen besser verstehen zu können. Es befindet sich jedoch keine Grafik in dem Artikel, Daten werden einfach aufgezählt. Würde man den Ausgangstext verwenden, wären nur 4 Brands angeführt. Um eine bessere Übersicht zu bekommen, sollten zumindest die Top 10 der Studie aufgelistet werden.

Außerdem wäre es sinnvoll auch den Vergleich mit dem Vorjahr erwähnen. Kantar führt diese Studie jährlich durch, deshalb lässt sich einfach ein Vergleich darstellen. Hier könnte beispielsweise Augenmerk darauf gelegt werden, dass Amazon deutlich zugelegt hat, während MasterCard verhältnismäßig annähernd gleich blieb.

Etwas unübersichtlich sind auch die letzteren Daten, die bunt gemischt aufgelistet werden. 21,26,47 - Eine chronologische Reihung wäre viel übersichtlicher. Zudem wäre es sehr nützlich, wenn die Studie auch wirklich verlinkt wäre und das mit einem Link hinterlegte Wort "Studie", nicht auf die Seite der Süddeutschen führen würde. Abschließend könnte man einen Absatz einbauen, der auf die gesamte Studie aufmerksam macht und für Interessierte den Link zum Download des gesamten Buches von Kantar beinhaltet.

Artikel: Podcasts: Mode oder Medienwandel?

Die Otto-Brenner-Stiftung hat den deutschen Podcast-Markt erforscht. Dieser steht vor entscheidenden Weichenstellungen.

Von Stefan Fischer

Die wilden Jahre des Anfangs sind vorbei. Der Podcast-Markt in Deutschland professionalisiert und kommerzialisiert sich. Zu diesem Ergebnis kommen Lutz Frühbrodt und Ronja Auerbacher in ihrer Studie“Den richtigen Ton treffen. Der Podcast-Boom in Deutschland” im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung. Außerdem legen sich der Professor für Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt und die Medienwissenschaftlerin fest, dass es sich bei dem aktuellen Boom der Podcasts nicht mehr um eine Modeerscheinung handelt, sondern “dass der erneute Aufschwung des Podcastings Teil eines strukturellen und tiefgreifenden Medienwandels ist”.

Eine erst Podcast-Phase zwischen 2005 und 2010, von den Autoren der Studie Experimentierwelle genannt, sei noch verebbt, weil vor allem die technischen Rahmenbedingungen nicht ausreichend gewesen seien. Es habe an Smartphones, Möglichkeiten der Breitbandübertragung und Audiostreaming-Plattformen gemangelt. Die zweite, die Etablierungswelle, in den USA maßgeblich vom Erfolg des Podcasts “Serial” im Herbst 2014 angeschoben, hat sich von 2017 an auch in Deutschland hörbar aufgetürmt. Sie sei wesentlich größer und nachhaltiger als die erste, sowohl was die Produktion als auch die Nachfrage anbelangt.

Podcasts haben annähernd so viele Hörerinnen wie Hörer

Inzwischen gibt es insgesamt mehr als 50 000 in Deutschland produzierte Podcasts. Bis heute seien Podcasts trotz der deutlichen Professionalisierungstendenzen auch “das Medium der basisdemokratischen Amateure und experimentierfreudigen Semiprofessionellen”. Ebenfalls rasant gestiegen sind die Nutzungszahlen. Die Zuwachsraten sind jedoch auch in Deutschland groß: Die Zahl der Nutzer hat sich zwischen 2018 und 2020 beinahe verdoppelt auf inzwischen rund 19 Millionen Menschen. Noch steiler als die Gesamtzahl der Podcast-Hörer ist die der sogenannten Intensivnutzer angestiegen. Mehr als die Hälfte der Podcast-Hörer nutzt das Medium inzwischen mindestens einmal pro Woche bis nahezu täglich. Vor drei Jahren machte ihr Anteil an den Gesamthörern nur ein reichliches Drittel aus.

Podcasts haben annähernd so viele Hörerinnen wie Hörer. Gravierend ist die Differenz in den unterschiedlichen Altersgruppen: Knapp die Hälfte der unter 30-Jährigen hört Podcasts, sie seien bei ihnen “Teil eines regelmäßig genutzten Medienensembles geworden”, so die Autoren der Studie. In den übrigen Altersgruppen könne aktuell noch nicht von einer vollständigen Etablierung die Rede sein, eher von einem ergänzenden Angebot.

Allerdings hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher: Ein Viertel der Menschen über 14 Jahre hierzulande hört mindestens gelegentlich Podcasts, nur in Großbritannien ist der Anteil noch geringer. Allerdings sind das beides Länder mit einem sehr vielfältigen öffentlich-rechtlichen Radioangebot, die Konkurrenzsituation ist also eine andere. In den USA hören 36 Prozent der über 14-Jährigen Podcasts, in Spanien sind es sogar 41 Prozent.

Im Unterschied zu TV-Talks und Twitter habe sich eine Gesprächskultur des “friedfertigen Dialogs” etabliert

Inhaltlich beobachten die Autoren eine Inflation von True-Crime- und Promi-Podcasts. Andererseits fallen mehr als 20 der 50 meistgehörten Podcasts aus den Spotify-Charts in die Bereiche Politik, Nachrichten und Wissen, überwiegend produziert von Rundfunkanstalten und etablierten Medienhäusern. Für die Autoren ein Beleg, dass Podcasts nennenswert zur Information und Meinungsbildung beitragen. Anders als in vielen anderen neuen Formaten spiele die Verbreitung rechtsextremer und verschwörungserzählerischer Inhalte keine nennenswerte Rolle. Vielmehr hätte sich im Unterschied zu TV-Talks und vor allem zu Twitter eine Gesprächskultur des “friedfertigen Dialogs” etabliert. “Sollte sich die Podcast-Community diese Kultur bewahren, kann dies wiederum die deutsche Debattenkultur im Großen positiv beeinflussen und ihr eine konstruktive Note verleihen”, heißt es im Fazit der Studie.

Bedroht sehen die Autoren das Medium durch die hierzulande wichtigste Plattform Spotify. Gemeinsam mit Apple Podcasts schicke sich das Unternehmen an, “die technisch notwendige Infrastruktur für Podcasts dauerhaft zu beherrschen und in ihrem Sinne zu kommerzialisieren”. Die Folge könnte ein Verlust an Vielfalt sein. Speziell ARD und Deutschlandradio versuchen, mit ihren Audiotheken gegenzusteuern. Haben sie sich damit anfangs noch überwiegend an ihre Radio-Stammhörer gerichtet – bei über 50-Jährigen sind sie die meistgenutzten Plattformen – , so platzieren die Öffentlich-Rechtlichen inzwischen Angebote für die junge Kernhörerschaft von Podcasts weitaus prominenter. Die Audiotheken sollen sich auch von den Empfehlungsalgorithmen der kommerziellen Plattformen unterscheiden.

Aktuell erzielt Spotify mit seinem Podcast-Geschäft noch keine Gewinne. Die Werbeumsätze im gesamten deutschen Podcast-Markt liegen derzeit noch deutlich unter 100 Millionen Euro im Jahr.

Anmerkungen+ eigene Grafiken von mir: 

Generell ist in dem gesamten Artikel keine einzige Grafik, Tabelle, Chart, etc. zu finden. Das ist schade, denn genau solche Abbildungen machen Fakten und Zahlen öfters besser verständlich. Dazu bleibt noch zu erwähnen, dass generell der ganze Artikel etwas konfus geschrieben wurde, und hier mit Zahlen ganz schön herumgeschmissen wurde. Ich habe versucht, mithilfe der Studie der Otto-Brenner-Stiftung das ganze selbst in die Hand zu nehmen und somit nähere Fakten zu untermauern.

Stichwort: Ländervergleich:
Bei Vergleichen, finde ich persönlich es immer angenehm, wenn die verglichenen Elemente ein bisschen eingegrenzt werden, um einen genaueren Fokus zu legen. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, hier nur die Top 14 europäischen (!) Länder zu nehmen. (USA, Kanada, Japan, etc hab ich rausgenommen) Top 14 deshalb, weil Deutschland da noch dazuzählt und das Hauptaugenmerk des Artikels ja auf Deutschland und dessen Hörer:innen liegt.
Außerdem war ich der Meinung, dass es gut wäre hier den Unterschied (der ja doch enorm ist, denn in Spanien 42, in Deutschland 22–> somit fast die Hälfte ) deutlicher zu machen.- Deshalb habe ich diese hervorgehoben.

Abbildung1:

Folgende Grafik befasst sich mit dem Absatz, in dem die verschiedenen Audiostreaming-Plattformen analysiert werden. In der dazugehörigen Studie, in der sich die Autor:innen in ihrem Artikel befassen, gibt es eine Grafik, in der man einen Einblick über alle verschiedenen Streamingdienste bekommt. Auf dem Hauptaugenmerk sollte hier der Vergleich zwischen Spotify, und der ARD Audiothek liegen.
Mithilfe dieser Grafik, habe ich genau das versucht.
Hier soll klarer werden, dass die ARD-Audiothek, vor allem bei Hörer:innen zwischen 18-34 Jahren noch ganz schön etwas nachzuholen hat.

Abbildung2:

Zu dem letzten Absatz:
Leser:innen, die sich nicht gut in der Welt der Finanzen, Umsätze auskennen, wird es hier ein bisschen schwer fallen, sich ein Bild zu machen, ob 100 Millionen Werbeumsatz viel oder wenig sind. Deshalb hier eine Idee von mir: Den Vergleich von Podcast und traditionellem Radio zu zeigen. Turns out: Im Jahr 2019 hat traditionelles Radio 910 Millionen Werbeumsatz eingenommen, wohin entgegen Podcast nur bei 73 Millionen liegt. Das ist weniger als ein Zwölftel.

 

Abbildung 3:

Nachlese Datenjournalismus Kurs an der FH Wien im Wintersemester 2020/21

Zum Ende des Wintersemesters 2020/21 ein kleiner Rückblick auf meinen Kurs “Datenjournalismus” an der FH Wien, zwei besondere Aspekte möchte ich hervorheben:

1) Datenjournalismus und die Corona Krise

Das zentrale Thema gerade auch aus datenjournalistischer Sicht war natürlich die Corona-Krise, die uns in vielen Aspekten beschäftigte:

  • viele bemerkenswerte Visualisierungen
  • der Omnipräsenz von Zahlen
  • der heiligen Gral der Vorhersage der Entwicklung des Infektionsgeschehens
  • der globale Crashkurs im Verständnis von exponentiellem Wachstum
  • die Probleme mit der Verfügbarkeit von verlässlichen und vergleichbaren Daten (besonders in AT)
  • der Zweifel an der Glaubwürdigkeit von datenbasierten Fakten (“everything can become polarized”)

2) Herausragende Arbeiten von Studierenden

 

“Der ist schwul und will es nur nicht zugeben”

Warum outen sich so wenige als bisexuell?

Illustration von zwei Personen, die einen Vorhang in regenbogenfarben öffnen
©Hannah Horsten

In den letzten Jahren hat sich merkbar einiges getan in Sachen Offenheit gegenüber der LGBTQ+ Community (Lesbian, Gay, Bisexuall, Transgender, Queer). Wenn im Juni der sogenannte “Pride Month” erneut anbricht, werden wieder Colaflaschen und Straßenbahnen mit Regenbogenflaggen geschmückt und in den sozialen Netzwerken viel gute und wichtige Aufklärungsarbeit geleistet. Aber so “trendy” wie es hierdurch oftmals wirkt ist die Thematik gar nicht. Immer noch geben die meisten Personen, die nicht heterosexuell sind, an, nicht offen dazu zu stehen. Insbesondere bisexuelle Menschen scheinen mehrheitlich ungeoutet zu sein.

Coming out of the closet

Dieser Terminus beschreibt im Englischen, was im Deutschen meist schlicht unter “Coming-out” bekannt ist. Hiermit ist jener Schritt gemeint, den LGBTQ+ Personen in einer heteronormativen Gesellschaft, also einer Gesellschaft, welche Heterosexualität als Norm darstellt, gehen müssen, damit das Umfeld oder die Öffentlichkeit über die sexuelle Orientierung beziehungsweise die Geschlechtsidentität bescheid weiß. Da unsere Gesellschaft – wie bereits erwähnt – heteronormativ ist, gehen die meisten Personen, die man kennelernt, vorerst von einer heterosexuellen Orientierung aus. Es ist also durchaus ein Privileg, sich als heterosexuelle Person nicht immer wieder aufs neue positionieren oder erklären zu müssen.

Der Schritt des Coming-outs ist für viele Personen nicht leicht – ebenso bleibt es im Laufe eines Lebens selbstverständlich nicht bei einem einzigen Coming-out. Man kann beispielweise im Freundeskreis geoutet sein, vor den Eltern jedoch nicht. Oder in der Verwandtschaft schon, aber nicht bei der Arbeit. Da sich der Begriff also ein wenig schwammig darstellt, wurden bei dem FRA LGBTI Survey – eine Befragung von der Agentur der europäischen Union für Grundrechte, Personen zu ihrer allgemeinen Offenheit mit ihrer sexuellen Orientierung befragt. Im Folgenden können nun die Schränke (closets) geöffnet werden, um den Anteil der LGB Personen zu sehen, der sagt sie gehen “sehr offen mit ihrer sexuellen Orientierung” um. Lesbisch, Schwul oder Bisexuell sind neben Heterosexuell jedoch nicht die einzigen, weiteren Orientierungen. Es gibt auch Menschen die sich als Pansexuell (sexuell und emotional hingezogen zu Menschen jeder Geschlechtsidentiät) oder Asexuell (kein oder kaum sexuelles Interesse) identifizieren. Diese Personengruppen wurden jedoch in dem vorliegenden Datensatz nicht befragt.

Im folgenden sind die Ergebnisse für Österreich abgebildet.
Durch wischen auf die Schranktür und wieder heraus wird sichtbar, wie offen mit der eigenen sexuellen Orientierung umgegangen wird. Mit dem Smartphone online? -> Tippe auf die obere Ecke.

50% der sich als lesbisch identifizierenden Frauen in Österreich sagen sie gehen sehr offen damit um. Das ist im EU-Schnitt sehr hoch. Höher ist dieser Anteil nur in den Niederlanden (59%), in Schweden (64%) und in Dänemark (69%).

37% der schwulen Österreicher stimmen der Aussage zu, dass sie mit ihrer sexuellen Orientierung sehr offen umgehen. Das ist immerhin über dem EU-Durchschnitt, welcher bei 34% liegt.

Lediglich 16% der bisexuellen Männer in Österreich gaben an, damit sehr offen umzugehen. Das mag wenig klingen, es sind jedoch im EU-Schnitt sehr viele. Vor Österreich sind nur noch Belgien und Dänemark mit jeweils 17%.

Bisexuelle Frauen gehen in Österreich sogar noch seltener offen mit ihrer sexuellen Orientierung um als bisexuelle Männer. Hierbei liegt Österreich jedoch nur knapp über dem EU-Schnitt. Tendenziell gehen Frauen in Europa offener hiermit um als Männer. Während bei Männern über die Hälfte nie darüber spricht, ist es bei den Frauen in etwa ein Drittel.

Auffällig hierbei ist der große Unterschied. Während die Hälfte aller lesbischen Frauen in Österreich offen dazu steht, Mitglied der LGBTQ+ Community zu sein, ist es bei den bisexuellen Frauen knapp ein Siebtel. Auch im EU Vergleich sind bisexuelle Menschen bei weitem nicht so offen bei der Thematik wie homosexuelle.




Woher kommen diese Unterschiede?

Insbesondere bisexuelle Männer sind laut diesen Umfragewerten sehr zurückhaltend was ihre Sexualität betrifft. In Osteuropa sind es in keinem Land mehr als 3%. Ein Grund hierfür könnte die politische Lage sein. In Polen beispielweise gibt es seit dem Jahr 2019 sogenannte “LGBT-ideologiefreie Zonen”. Auch wenn es sich bei Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transpersonen nicht um Ideologien handelt und diese Zonen juristisch keine Folgen haben sind sie durchaus ein deutliches Signal zur Ausgrenzung von Personen aus der Community. Trotz der feindlichen Haltung der Regierung gegenüber LGBT Personen, sind die Zahlen der Schwulen und Lesben, die in Polen offen zu ihrer Sexualität stehen (9% und 11%) deutlich höher als die der bisexuellen Frauen und Männer (2% und 1%). Woher könnte das kommen?
Ein möglicher Grund könnte sein, dass bisexuelle Personen nicht gleichermaßen auf ein Outing angewiesen sind wie homosexuelle Personen. Während Lesben und Schwule sich gewissermaßen outen müssen, um sexuelle Bedürfnisse frei ausleben zu können, können Bisexuelle dies auch (oder zumindest teilweise) ohne Outing – gewissermaßen unter dem Deckmantel der Heteronormativität.

Auch ohne Angst vor politischer Feindseeligkeit ist, wie im ersten Absatz beschrieben, ein Outing meist ein unangenehmer Schritt. Man entblöst sich, von der, durch die Gesellschaft festgelegte, Norm abzuweichen. Auch in scheinbar politisch offeneren Ländern ist dies ein Schritt der immer mit einem Kampf mit Vorurteilen zusammenhängt. Wenn man in einer gegengeschlechtlichen Beziehung ist, wird eventuell auch von dem Umfeld der Kontext des Outings nicht ganz verstanden.

60% der in Österreich lebenden, bisexuellen Männer sprechen im Gegensatz nie offen über ihre Bisexualität und werden somit vermutlich, fälschlicherweise, vom großteil ihres Umfelds als heterosexuell wahrgenommen.

 

“Weil du nicht homo oder hetero wirst, sondern bi bleibst.”

Zwei Interviews

Den besten Einblick in die Lebensrealitäten von bisexuellen Personen bekommt man natürlich von ihnen selbst. Melissa (24) und Hanna (22) haben im Folgenden einige Fragen zum Thema Outing beantwortet. Die Antworten überschneiden sich teilweise sehr stark – was an dem ähnlichen Alter und den ähnlichen Lebensumständen liegen mag – eventuell zeigt es jedoch auch eine ähnliche Wahrnehmung der Gesellschaft auf.

Hast du das Gefühl, dass ein Outing als nicht heterosexuell in unserer Gesellschaft notwendig ist?

Melissa: Ich denke schon, dass man sich in unserer Gesellschaft noch outen muss. Leider. Wir haben zwar vielleicht das Gefühl, dass ein Outing nicht mehr notwendig ist – weil wir jedes Jahr hunderte Regenbogen-Fahnen in Schaufenstern und der Werbung sehen, weil wir auf die Pride-Parade gehen, weil die Popkultur so divers wie noch nie ist (mit Figuren wie Janelle Monae, Kehlani, Miley Cyrus, Frank Ocean und und und) und wir auf Netflix und Amazon Prime immer mehr Serien oder Filme mit dem Label ‚LGBTIQ‘ sehen. Und diese Veränderung ist extrem wichtig, weil es dadurch mehr Sichtbarkeit für uns gibt. Aber das heißt nicht, dass wir nicht weiterhin in einer heteronormativIllustration von Hannaen Gesellschaft leben, wo die Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau das ‚Normale‘ ist und alles andere eine ‚Abweichung‘ der Norm ist.

Hanna: Ich finde, dass es eine sehr individuelle Frage ist, ob jemand für sich überhaupt ein Outing braucht – die nicht pauschal beantwortet werden kann. Das “Outing” ist ein zweischneidiges Schwert, da Sichtbarkeit und Repräsentation zwar wichtig sind, andererseits jedoch ein starkes Hervorheben der nicht-heterosexuellen Identität, die ‘Andersheit’ wieder stark unterstreicht. Folglich ist ein Outing in unserer Gesellschaft eine Positionierung zum ‘Anderssein’.

Was verstehst du überhaupt unter dem Begriff Outing?

Melissa: Sich outen zu müssen heißt für mich sich brandmarken zu müssen – für die Person, die man ist. Zu sagen: Hey, ich bin anders als ihr, weil ich anders liebe.  Ganz ohne Outing kommt man aber nicht aus, weil man sonst weiterhin mit simplen Fragen wie ‚Hast du einen Freund?‘ getriggert wird. Man muss sich also als ‚anders‘ deklarieren, damit man nicht mehr in die Hetero-Kategorie gesteckt wird. Und in dem Moment, wo ich sage, „ich bin anders“, in dem Moment oute ich mich.

Hanna: Für mich persönlich ist Outing ein Informieren und ein zu seiner eigenen Sexualität oder Genderidentität stehen.

Hast du persönlich das Gefühl, dass es bisexuellen Personen bei einem Outing schwerer gemacht wird? Oder leichter?

Melissa: Es ist auf gewisse Art und Weise leichter und schwieriger gleichzeitig, weil man als bisexuelle Person ganz anders wahrgenommen wird.
 Leichter ist es, weil man als bisexuelle Person noch mit einem Fuß in der Hetero-Gesellschaft steckt und ja nur „halb anders“ ist, sozusagen. Genau das macht es aber auch schwerer, weil man in seiner Sexualität oft nicht ernst genommen wird. Bei bisexuellen Männern heißt es oft: „Der ist schwul und will es nur nicht zugeben“, Frauen bekommen oft zu hören: „Das ist eine Phase, die geht wieder vorbei.“ Dass Bisexualität aber eine legitime Orientierung ist, genauso legitim wie Hetero oder Homo, verstehen viele immer noch nicht.

Hanna: Ich habe das Gefühl, dass man etwas weniger ernst genommen wird, als eine homosexuelle Person, die sich outet, da es oft als eine Art der „Transition“ zum Lesbisch- oder Schwulsein gesehen wird. Auch von Seiten der LGBTQ+ Community wird man des Öfteren nicht ganz akzeptiert, da es so wirkt, als ob man sich „nicht zwischen zwei Seiten entscheiden“ könne oder „eine Phase“ durchlaufe. Auch wird man als bisexuelle Frau vor allem von heterosexuellen Männern öfters fetischisiert, mit Einladungen oder Erwartungen auf einen Dreier.

Welche Personen in deinem Umfeld wissen von deiner Bisexualität? Ist es dir wichtig, dass sie das Wissen?

Melissa: Ich habe seit drei Jahren eine Partnerin, was jeder weiß, der mich etwas besser kennt. Das heißt Leute in meinem engeren Umfeld wissen, dass ich bi bin.
 Davor wusste das aber niemand, weil ich es nicht ausgesprochen habe. Das ist so ein Ding mit Bisexualität: Solange du Personen datest oder eine*n Partner*in hast, die nicht dasselbe Geschlecht haben wie du selbst, würde niemand denken, dass du bi bist. Du wirst als hetero gelesen. Sobald du eine*n Partner*in hast oder jemanden datest, der oder die dasselbe Geschlecht hat wie du, wirst du als homo gelesen.
Das macht es kompliziert, weil du nicht homo oder hetero wirst, sondern bi bleibst.  Ich glaube mir ist es weniger wichtig, dass die Leute wissen, dass ich bi bin, als dass sie mich einfach so respektieren wie ich bin. Und das geht schneller und ist leichter, wenn ich sag ‚ich bin bi‘, als wenn ich sag ‚Ich finde Menschen attraktiv, weil sie eine gewisse Ausstrahlung haben – und nicht, weil sie ein gewisses Geschlecht haben‘. Bi ist eben ein Code-Wort, wo jeder weiß, wo du stehst. Das Label an sich bzw. die Tatsache, dass man sich überhaupt labeln muss – naja, das hilft den Menschen eben dich zu kategorisieren. Anders wäre es denke ich, wenn ich einen Partner hätte. Dann würde es mich wahrscheinlich verletzen, wenn mich Menschen plötzlich als hetero lesen würden und es wäre mir wichtiger, dass Menschen wissen, ich bin bi.

Hanna: Es wissen zum Großteil meine Uni-Kolleg*innen, meine Schwester und mein Partner. Es ist mir schon wichtig, dass sie es wissen, da es doch ein Teil meines Lebens und meiner Persönlichkeit ist.

Gibt es Personen, denen du bewusst nicht von deiner Bisexualität erzählst? Warum?

Melissa: Ja, einem Großteil meiner Familie, weil ich weiß, wie sie reagieren würden (Surprise, nicht so gut). Das ist aber nicht so schlimm für mich, weil sich der Kontakt in Grenzen hält und ich es daher nicht für unbedingt notwendig halte. Da geht’s mir vor allem um Selbstschutz.

Hanna: Meine Verwandtschaft weiß es nicht, weil ich weiß, dass ich da bei manchen auf Unverständnis stoßen würde. Außerdem ist es mir bei meiner Verwandtschaft nicht so wichtig, dass sie davon wissen wie bei Freund*innen, mit denen ich ein engeres Verhältnis habe.

Hast du bereits negative Reaktionen erhalten, nachdem du Personen von deiner Bisexualität erzählt hast? Wenn ja – inwiefern?

Melissa: Ja, von meiner Mutter. Ich glaube allerdings, dass das viel mehr eine Reaktion auf die Tatsache war, dass ich eine Partnerin hatte, als darauf, dass ich bisexuell bin. Da ist wieder dieses Ding: Bisexualität an sich kann man verstecken, sie wird erst sichtbar, wenn man Menschen des gleichen Geschlechts datet. Und solange sie nicht ‚sichtbar‘ wird (also die ‚abweichenden‘, Homo-Tendenzen sichtbar werden), wird sie oft und gerne ignoriert oder leichter akzeptiert. Ich hatte kein einfaches Outing, weil es für meine Mutter anfangs sehr schwierig war und völlige Unverständnis und Panik geherrscht hat. Das hat sich nach einer Zeit und viel Schmerz aber beruhigt, weil sie sich auch damit auseinandergesetzt hat, woher diese Unverständnis in ihr kommt. Ich bin ihr deswegen auch nicht böse – obwohl es sehr schwer für mich war – weil ich eben auch weiß, wie schwer es für sie war.
Ansonsten hatte ich keine schlechten Erfahrungen.

Hanna: In meinem näheren Umfeld zum Glück nicht, nur bei manchen unbekannten, oben genannten, heterosexuellen Männern. Da kamen besagte Bemerkungen oder Blicke, wo ich mir wünschen würde, dass man sich informiert oder zumindest nachfragt. Außerdem kam es schon vor, dass meine Bisexualität in Frage gestellt wurde, da ich bisher nur männliche Partner hatte.

 

Conclusio

Wie können wir alle, als Teil der Gesellschaft, also bisexuellen Personen eine Plattform für mehr Offenheit bieten? In erster Linie in dem jede*r sich über den Umstand der Heteronormativität bewusst wird. Fragen wie “Hast du einen Freund?” an Frauen oder im Gegenzug “Hast du eine Freundin?” bei Männern projizieren automatisch ein eigene kreiertes, heterosexuelles Bild auf das Gegenüber, das eventuell mit der Realität nicht übereinstimmt. Außerdem sollte Menschen, die zu ihrer Bisexualität stehen, diese nicht abgesprochen werden oder als “Phase” abgestempelt werden. Selbst wenn es eine Phase sein sollte kann alleine die Person selbst das für sich feststellen und nicht das Umfeld. Denn die Bisexualität hört ja nicht auf, bloß weil jemand in einer heterosexuellen Beziehung ist.

 

Text und Illustrationen: Hannah Horsten – Daten: FRA LGBTI Survey

Der Oberkörper einer Person in Ärztekittel. In der Hand hält sie ein Stethoskop

Erwartet Österreich ein Ärzt*innenmangel?

Dass Österreich in Zukunft stark Pflegepersonal aufstocken muss, damit es zu keinen Engpässen kommt, ist eindeutig. Aber wie sieht es eigentlich mit den Ärzt*innen hierzulande aus? Im OECD-Vergleich scheint Österreich ein Musterbeispiel zu sein: im Schnitt kommen 5,3 aktive Ärzt*innen auf 1000 Einwohner. Damit liegt Österreich auf Platz zwei hinter Griechenland (6,1) und weit über dem OECD-Schnitt von 3,5 Ärtz*innen. Wie passen diese Spitzenplätze mit den häufigen Warnungen, etwa der Ärztekammer, vor einem bevorstehenden Ärztemangel hierzulande zusammen?

Ein Hintergrund ist die nicht standartisierte Datenerfassung besagter OECD-Studie. Österreich zählt für sie auch Turnusärzt*innen, die sich gerade in Ausbildung befinden, dazu. Andere Staaten melden der OECD hingegen nur bereits fertig ausgebildete Ärzt*innen. Auch Teilzeit-Beschäftigungsverhältnisse, die in Österreich immer häufiger werden, wurden nicht berücksichtigt. Es wurde also nicht, wie es andere Länder zum Teil machen, in entsprechende Vollzeitäquivalente umgerechnet.

Werden nur fertig ausbebildete Ärzt*innen nach Vollzeitäquivalent erfasst, ergibt sich für Österreich eine Ärzt*innendichte von 3,56 pro 1.000 Einwohner, wie das deutsche Forschungsinsitut IGES-Institut errechnet hat. Das würde dem Mittelfeld der OECD-Länder entsprechen, wobei einige andere ebenfalls Daten divergierend einmelden.

Ein Verteilungsproblem?

Aber auch bei dieser Art der Erfassung zeichnet sich eine Herausforderung in Österreich ab: die Ärzt*innen sind innerhalb des Landes ungleich verteilt. Für junge Mediziner*innen ist die Arbeit am Land unattraktiv. Die Anzahl der Landärzt*innen sinkt. Diese Datenvisualisierung zeigt, die Verteilung der Ärzt*innendichte in Österreich:

Auffallend ist dabei die vergleichsweise höhrere Ärztedichte in Wien (6,84) und Tirol (5,87) sowie die geringere in Vorarlberg (4,31) und Oberösterreich (4,25). Wie lange die Wartezeiten und die Anreise für medizinische Versorgung ist und wie umfassend die (zeitlichen) Ressourcen pro Patient*in, wird laut Ärztekammer schon von diesen Unterschieden zwischen rund sieben und vier Ärzt*innen pro 1000 Einwöhner*innen deutlich beeinflusst.

Außerdem ist die Datenlage ansich auch hier erwähnenswert: die Ärzt*innendichte wird nämlich nur nach Bundesland und nicht etwa nach Gemeinde oder Region erfasst. Dadurch ist nicht erkennbar, ob etwa die Landeshauptstädte eine höhere Ärzt*innendichte haben und so den Schnitt für das Bundesland erhöhen. Rückschlüsse auf Versorgungsunterschiede zwischen Stadt und Land können aus den Daten nicht getroffen werden. Der Trend zur Landflucht auch bei Ärzt*innen liegt nahe und wird immer wieder durch Warnungen von (Regional)politik, Ärztekammer, wie auch durch Medienberichte bestätigt. Eine genauere Datenerfassung wäre dennoch wünschenswert, um ihn ein für alle Mal zu belegen und vor allem eindeutiger besonders betroffene Regionen erkennen zu können.

Kassenverträge sind unattraktiver

Neben der geographischen Verteilung der Mediziner*innen in Österreich ist noch eine weitere relevant: das Verhältnis zwischen Kassenärzt*innen und Wahlärzt*innen. 2020 waren 157 Kassenstellen in Österreich unbesetzt. Das sind 28 mehr als 2019. Fehlende Allgemeinmediziner*innen haben dabei zwei Drittel (95) der freien Kassenverträge ausgemacht, der Rest Fachärzt*innen.

Patient*innen müssen also immer häufiger zu Wahlärzt*innen ausweichen. Zwar nimmt die Ärzt*innendichte seit 1960 beinahme konstant zu – 1960 kamen (ohne Berücksichtigung von Vollzeitäquivalenten und mit Turnusärzt*innen) noch rund 1,6 Ärzt*innen auf 1.000 Einwohner*innen, 2019 waren es bereits 5,3 – aber die Dichte der Kassenärzt*innen nimmt ab.

Das zeigt auch diese Grafik, die den Bevölkerungszuwachs und die Entwicklung der Allgemeinmediziner*innen mit Ordination, die einen Kassenvertrag haben, gegenüberstellt:

(Allgemeinmediziner*innen ist synonym für den umgangssprachlichen Begriff Hausärzt*innen zu verstehen.)

Auch wenn die absolute Anzahl der Mediziner*innen also in Österreich kontinierlich steigt, sinkt die der Allgemeinmediziner*innen mit Kassenvertrag. Auch für die gesamte Anzahl der Allgemeinmediziner*innen gilt das übrigens in den letzten zehn Jahren (Quelle: zweite Grafik). Und weil gleichzeitig die Bevölkerungsanzahl wächst, kommen letztendlich immer weniger niedergelassene Allgemeinmediziner*innen mit Kasse auf mehr Menschen. Ein Beispiel: In Wien ist die Einwohner*innenzahl seit 2010 um 200.000 gestiegen, gleichzeitig gab es 2019 71 Hausärzt*innen mit Kassenvertrag weniger.

Eine Zwei-Klassen-Medizin?

Kassenverträge sind weniger attraktiv – zumindest was die Arbeitsbedingungen und die Gehälter angeht. Sie bedeuten meist: weniger Zeit und Geld für mehr Patient*innen. Für eben jene bedeuten weniger Kassenärzt*innen im Umkehrschluss: eine Kostenverschiebung in den privaten Bereich, weil Kassen vielfach nur ein Bruchteil der Behandlungskosten rückerstatten. So bleibt nur die Wahl zwischen mehr Eigenkosten durch den Gang zum Wahlarzt bzw. der Wahlärztin und längeren Wartezeiten auf einen Termin. Viele haben diese Wahl aber nicht. Sie können sich den Wahlarztbesuch kaum oder nicht leisten. Eine Zwei-Klassen-Medizin entsteht.

Wer es sich leisten kann bekommt schneller eine Behandlung und besucht Wahlärzt*innen, die sich mehr Zeit für Beratung und Untersuchung nehmen können. Für den Rest ist Österreich zwar trotzdem immer noch ein Land, in der nötige medizinische Versorgung und Behandlung in guter Qualität (beinahe) kostenfrei sichergestellt ist. Aber eben immer öfter mit längeren Wartezeiten und weniger Zeit für eine – nicht zu unterschätzende – umfassende Aufklärungen von Patient*innen.

Die Anzahl der niedergelassenen Ärzt*innen ohne Kassenvertrag hat dabei in Österreich, die jener mit Kasse bereits 2007 überschritten:

Dieser Trend zum Wahlarzt bzw zur Wahlärztin muss allerdings teilweise relativiert werden: auch bei dieser Statistik wird die absolute Anzahl der Ärzt*innen ohne Berücksichtigung von Teilzeitbeschäftigungen erfasst. In Österreich arbeitet aber ein Drittel der Ärzt*innen Teilzeit.

Anteil der Fächärzt*innen ohne Kassenvertrag wächst deutlich

Gerade Wahl*ärztinnen machen einen großen Anteil der Teilzeitarbeitenden aus. Sie sind oft im Spital- und Rettungswesen beschäftigt und haben zusätzlich eine private Ordination, in der sie zusätzlich einige Stunden arbeiten. Das ist auch mit ein Grund, wieso der Anteil der Fachärzt*innen ohne Kassenvertrag am stärksten steigt:

Diese Grafik zeigt: Hintergrund des Zuwachses an niedergelassenen Ärzt*innen sind vor allem Fachärzt*innen, also etwa von Gynäkolog*innen, Neurolog*innen und Hautärzt*innen, die keinen Kassenvertrag haben. Diese Entwicklung ist aber zu stark, um sie nur auf mehr Mediziner*innen, die zusätzlich zum Job im Spital- und Rettungswesen Teilzeit arbeiten, zurückzuführen. In der Allgemeinmedizin gibt es weiterhin mehr Ärzt*innen mit Kasse, als ohne. Jene mit Kasse sind leicht zurückgegangen, jene ohne etwas mehr geworden. Und Fachärzt*innen mit Kassenvertrag sind praktisch stagniert.

Allgemeinmedizin und Kasse sind also beide in der Regel unattraktiver. Es ist eine Entwicklung, die schon heute vielen Menschen in Österreich in ihrem Alltag wahrnehmen. Eine Krankschreibung beim Allgemeinarzt ist in der Regel kein Problem. Im Fachärzt*innenbereich kennen viele die Suche nach guten Kassenärzt*innen mit freien Plätzen, lange Wartelisten und Terminausbuchungen für Monate voraus bereits heute allzu gut. Und auch hier lohnt sich ein Vergleich der Entwicklung der Bundesländer:

Besonders stark ist der Anteil der Wahlärzt*innen im Facharztbereich in Oberösterreich (+14%) und Wien (+12%) gestiegen. Niederösterreich verzeichnet hingegen sogar einen Rückgang des Anteils von Fachärzt*innen die keine Kasse haben um zwei Prozent. Damit sticht das Bundesland zum zweiten Mal als Ausreißer heraus: auch die Allgemeinmediziner*innen mit Kassenvertrag gab es nur in Niederösterreich seit 2010 einen Zuwachs (siehe erste Grafik des Beitrags). Warum das so ist, lässt sich leider nicht aus den Daten herauslesen.

Ins eigene Geldbörsl greifen

Obwohl der Trend weg von der Kasse und weg vom Land nichts gutes verheißt, muss an dieser Stelle gesagt werden: Österreich gilt zurecht als ein Land mit guter Gesundheitsversorgung – und auch eines, in der sie allen zugänglich ist. Anders als etwa in den USA sind fast alle Menschen krankenversichert. Arbeitgeber*innen sind dazu verpflichtet. Wer es nicht ist, wird von Vereinen und NGOs trotzdem versorgt. Das sollte die Regel sein, ist weltweit gesehen aber eher die Ausnahme.

Vergleichen wir Österreich aber mit der EU, übernehmen Privathaushalte im Schnitt allerdings einen etwas größeren Anteil der Gesundheitsausgaben. Das zeigt diese Grafik:

Mit drei Prozent mehr, ist der Unterschied natürlich nicht extrem. Er widerlegt aber die weitverbreitete Annahme, dass Österreich auch innerhalb der EU ein Gesundheitswesen mit besonders geringer Übernahme als Privatleistung hat. Unter die Kategorie “Sonstiges”, in der Österreich den größten Unterschied verzeichnet, fallen dabei übrigens auch die Ausgaben für Wahlärzt*innen.

Und der Nachwuchs?

Dass es weniger Land- und Kassenärzt*innen gibt liegt vor allem an den neu hinzukommenden Jungmediziner*innen. Und genau diese erwartet eine weitere Herausforderung: In den nächsten zehn Jahren überschreiten 14.581 Ärzt*innen das Pensionsalter. So waren 2019 rund 19% der Ärzt*innen unter 35 Jahren alt und rund 30% über 55, wie diese Grafik zeigt:

Die Österreichische Ärztekammer hat aufgrund dieser Daten vor einem drohenden Ärztemangel gewarnt: es ergebe sich durch die zu erwartenden Pensionierungen ein jährlicher Nachbesetzungsbedarf von 1.458 Stellen im Jahr, alleine, “um eine Aufrechterhaltung des Status-quo der Kopfzahl zu gewährleisten”. Sprich: ohne Bevölkerungswachstum miteinzurechnen. Der Nachwuchs reiche – so die Ärztekammer – für diesen erwarteten Nachbesetzungsbedarf bei Weitem nicht aus. Gleichzeitig gehen 40% der Medizinstudent*innen an österreichischen Universitäten nach dem Studiumabschluss ins Ausland. Darunter nicht nur jene, die zum Studieren zugezogen sind, sondern auch zunehmend mehr Österreicher*innen, die ein Medizinstudium abschließen.

Fazit

Die verfügbaren Daten belegen Probleme, vor denen auch Interessensvertretungen immer wieder warnen. Kassenverträge sind zu unattraktiv, genauso wie Arbeit am Land. Bevorstehende Pensionierungswellen bringen den Bereich noch mehr unter Druck. Zusätzlich wächst die Bevölkerung Österreichs und wir werden immer älter. Dadurch braucht es auch mehr Ärzt*innen, gleichzeitig sinkt aber die Anzahl jener, die nach dem Medizinstudium in Österreich praktizieren.

Was gegenwirken könnte, sind poltische Maßnahmen. Von Anreizsystemen, wie Stipendien und eigenen Studienplätzen für Medizinstudierende, die später im ländlichen Raum arbeiten, über neue Versorgungsmodelle wie Gemeinschaftspraxen bis hin zur Attraktivitätssteigerung von Kassenverträgen, gibt es hierfür viele Lösungsvorschläge. Das würde auch die Ärzt*innen in Spitälern entlasten. Denn lange Terminausbuchungen und sinkende Kassenangebote tragen auch dazu bei, dass Patient*innen in Österreich zunehmend eine weitere Option wählen: das Aufsuchen eines Spitals. Besonders in den Großstädten wird dort über volle Notfallambulanzen und stundenlange Wartezeiten geklagt.